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Sägepalme, Weidenröschen, Maca — was in Österreich darüber gesagt werden darf

Zuerst die Regeln, dann die Rohstoffe: Warum wir über die acht Bestandteile von Uro UP Forte nur Herkunft, Tradition und Menge schreiben — und was der Gerichtshof der EU 2025 dazu entschieden hat.

Wer in Österreich nach Sägepalme oder Weidenröschen sucht, findet hunderte Seiten, die genau wissen, „wofür" diese Pflanzen gut sind. Diese Seite gehört nicht dazu — und das hat einen Grund, der sich in drei Absätzen erklären lässt. Danach stellen wir die acht Rohstoffe von Uro UP Forte vor, geordnet nach den Weltregionen, aus denen sie stammen, jeweils mit der Menge, die zwei Tabletten liefern.

Die Regel: Lebensmittel dürfen nur Zugelassenes behaupten

Ein Nahrungsergänzungsmittel ist rechtlich ein Lebensmittel — so definiert es die Richtlinie 2002/46/EG [3], die in Österreich durch die Nahrungsergänzungsmittelverordnung umgesetzt ist. Für Lebensmittel gilt seit 2007 die Verordnung (EG) Nr. 1924/2006 [1]: Eine Aussage, die einen Zusammenhang zwischen einem Bestandteil und der Gesundheit herstellt, ist nur erlaubt, wenn sie in der Unionsliste steht. Diese Liste ist die Verordnung (EU) Nr. 432/2012 [2]; sie enthält gut 220 Angaben, fast alle zu Vitaminen und Mineralstoffen.

Wir haben die Liste für alle acht Bestandteile durchgesehen. Ergebnis: kein einziger Treffer. Die sechs Pflanzen und der Pilz gehören zu den sogenannten „On-hold"-Stoffen — die EFSA hat ihre Bewertung 2010 zurückgestellt, und seither hängen die Anträge in der Übergangsregelung des Art. 28 Abs. 5 und 6 [1]. Für L-Citrullin wurde nie eine Angabe zugelassen.

Zu den Slogans auf der Herstellerpackung, die auf ein bestimmtes Organ zielen, kommt eine zweite Hürde dazu: Art. 7 der Verordnung (EU) Nr. 1169/2011 [4] verbietet es, einem Lebensmittel Eigenschaften der Vorbeugung, Behandlung oder Heilung zuzuschreiben. Ein Produktname und ein Organbezug im Werbetext liegen dieser Grenze schon sehr nahe — wir übernehmen die Slogans daher nicht und haben sie auf den Fotos unkenntlich gemacht.

Seit April 2025: der Gerichtshof hat die Übergangsregel eng gezogen

Lange Zeit hieß es in der Branche: „Solange die Angabe on hold ist, darf man sie unter Auflagen verwenden." Am 30. April 2025 hat der Gerichtshof der EU in der Rechtssache C-386/23 [8] — ein deutscher Fall, Novel Nutriology gegen den Verband Sozialer Wettbewerb — diese Lesart deutlich beschnitten. Gesundheitsbezogene Angaben zu pflanzlichen Stoffen, deren Bewertung nicht abgeschlossen ist, dürfen in der Werbung für Nahrungsergänzungsmittel grundsätzlich nicht verwendet werden; das bloße Verbleiben auf der Liste ist keine Erlaubnis. Auch allgemeine, unspezifische Hinweise auf „Wohlbefinden" oder „Unterstützung" sind ohne eine beigefügte zugelassene Angabe unzulässig.

Das Urteil gilt in Österreich wie in jedem anderen Mitgliedstaat. Für diese Seite bedeutet es: Wir schreiben weder den Rohstoffen noch dem fertigen Produkt irgendeinen gesundheitlichen Nutzen zu — auch nicht in weicher Form. Was bleibt, ist ehrlich und vollständig: Herkunft, Tradition, Form und Menge.

Die acht Rohstoffe — nach Regionen

Nordamerika: Sägepalme (Serenoa repens) — 320 mg Fruchtextrakt

Der Südosten der USA, vor allem Florida, ist die Heimat dieser niedrigen Palme mit gezähnten Blattstielen. Ihre dunklen Früchte wurden von den Seminolen gesammelt, lange bevor es die Nahrungsergänzungsindustrie gab; heute ist die Ernte in Florida behördlich reguliert. Die EMA hat für die Frucht eine Monographie als traditionelles pflanzliches Arzneimittel erstellt [5] — das betrifft Arzneimittel mit definierter Dosis, nicht dieses Präparat; wir nennen sie als Beleg der langen Verwendungstradition. Im Präparat ist der Extrakt auf 45 % Fettsäuren standardisiert.

Europa: Weidenröschen (Epilobium angustifolium) — 150 mg gemahlenes Blatt

Das Weidenröschen ist die Pflanze der Kahlschläge, Bahndämme und Brandflächen — in Österreich vom Flachland bis über die Waldgrenze. Ein Aufguss aus den Blättern gehört zur mitteleuropäischen Volkstradition; auch hierfür gibt es eine EMA-Monographie [6], mit derselben Einschränkung wie oben. Der Beipackzettel deklariert gepulvertes Blatt, keinen Extrakt.

Ostasien und Himalaya: Cordyceps und Ginkgo

Cordyceps (Cordyceps sinensis) — 100 mg Fruchtkörperextrakt. Ein Pilz der Hochlagen Tibets und Nepals, in der chinesischen Tradition als „Winterwurm-Sommergras" bekannt. Der Extrakt ist auf 30 % Polysaccharide standardisiert. Ein Pilz ist keine Pflanze — deshalb sprechen wir konsequent von acht Wirkstoffen.

Ginkgo (Ginkgo biloba) — 20 mg Blattextrakt. Der Ginkgo ist ein lebendes Fossil, seit über 200 Millionen Jahren kaum verändert, an Tempeln Ostasiens wie in Wiener Parks gepflanzt. Der Extrakt ist auf 3 % Flavonglykoside standardisiert. Die EMA-Monographie zum Ginkgoblatt [9] beschreibt mögliche Wechselwirkungen mit gerinnungshemmenden Arzneimitteln — daraus stammt unser redaktioneller Hinweis auf der Produktseite, vor der Einnahme in der Apotheke oder beim Arzt nachzufragen.

Südamerika: Muira puama und Maca

Muira puama (Ptychopetalum olacoides) — 80 mg Rindenextrakt. Ein Strauch des Amazonasbeckens, in Brasilien Marapuama genannt; der Tupi-Name bedeutet ungefähr „Baum der Kraft". Der Extrakt ist 4:1 konzentriert.

Maca (Lepidium meyenii) — 70 mg Wurzelextrakt. Ein Kreuzblütler aus den peruanischen Anden, angebaut auf über 4.000 Metern, wo kaum eine andere Kulturpflanze gedeiht. Die verdickte Wurzel erinnert an ein Radieschen; hier als 4:1-Extrakt.

Die Aminosäure und ihre Quelle: L-Citrullin-Malat (130 mg) und Wassermelone (30 mg)

Citrullin wurde 1914 aus der Wassermelone isoliert und nach ihr benannt (Citrullus). Als Malat, an Apfelsäure gebunden, ist es die in Präparaten übliche Form. Dazu kommt Fruchtextrakt der Wassermelone (Citrullus lanatus) mit 10 % Citrullin — Aminosäure und ihre natürliche Quelle nebeneinander.

Wie man ein solches Etikett liest

Drei Fragen genügen, um ein pflanzliches Präparat einzuordnen — ganz ohne Wirkversprechen. Erstens: Ist jede Menge einzeln angegeben oder nur eine Summe „pflanzlicher Extrakte"? Bei Uro UP Forte steht jeder der acht Posten mit Milligramm da; zusammen 900 mg pro Tagesportion. Zweitens: Extrakt oder Pulver, und wenn Extrakt — mit welcher Standardisierung oder welchem Verhältnis? Hier: fünf standardisierte Extrakte, zwei 4:1-Extrakte, ein Pulver. Drittens: Wer ist der Lebensmittelunternehmer? Laut Etikett LA CREA; die Anschrift steht auf der Packung und wird vom Verkäufer vor Vertragsabschluss genannt.

Und der Kaufweg: In Österreich gilt für Bestellungen per Telefon und Internet das Fern- und Auswärtsgeschäfte-Gesetz [7] — Informationspflichten vor dem Abschluss und ein 14-tägiges Rücktrittsrecht ab Erhalt der Ware. Was das für diese Seite konkret heißt, steht in den AGB.

Fazit

Über Sägepalme, Weidenröschen und Maca lässt sich in Österreich viel Richtiges sagen — woher sie kommen, wie lange Menschen sie nutzen, in welcher Form und Menge sie in einer Tablette stecken. Was sich seit dem EuGH-Urteil von 2025 nicht mehr sagen lässt, ist, was sie „bewirken". Wir halten uns daran, nicht weil es bequem wäre, sondern weil ein Käufer, der eine bezifferte Zusammensetzung vor sich hat, selbst entscheiden kann — und das ist mehr wert als jedes Versprechen.

Quellen

  1. Verordnung (EG) Nr. 1924/2006 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 20. Dezember 2006 über nährwert- und gesundheitsbezogene Angaben über Lebensmittel, ABl. L 404 vom 30.12.2006 — Art. 28 Abs. 5 und 6 (ausgesetzte Angaben). eur-lex.europa.eu
  2. Verordnung (EU) Nr. 432/2012 der Kommission vom 16. Mai 2012 zur Festlegung einer Liste zulässiger gesundheitsbezogener Angaben, ABl. L 136 vom 25.5.2012 — keiner der Bestandteile dieser Rezeptur steht auf der Liste. eur-lex.europa.eu
  3. Richtlinie 2002/46/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 10. Juni 2002 zur Angleichung der Rechtsvorschriften der Mitgliedstaaten über Nahrungsergänzungsmittel, ABl. L 183 vom 12.7.2002. eur-lex.europa.eu
  4. Verordnung (EU) Nr. 1169/2011 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 25. Oktober 2011 betreffend die Information der Verbraucher über Lebensmittel, ABl. L 304 vom 22.11.2011 — Art. 7. eur-lex.europa.eu
  5. European Medicines Agency, Committee on Herbal Medicinal Products (HMPC), European Union herbal monograph on Serenoa repens (W. Bartram) Small, fructus, EMA/HMPC/280079/2013 — betrifft pflanzliche Arzneimittel, nicht Nahrungsergänzungsmittel.
  6. European Medicines Agency, HMPC, European Union herbal monograph on Epilobium angustifolium L. and/or Epilobium parviflorum Schreb., herba, EMA/HMPC/712511/2014 — betrifft pflanzliche Arzneimittel, nicht Nahrungsergänzungsmittel.
  7. Fern- und Auswärtsgeschäfte-Gesetz (FAGG), BGBl. I Nr. 33/2014 — §§ 4, 11, 18 Abs. 1 Z 5.
  8. Urteil des Gerichtshofs der Europäischen Union vom 30. April 2025 in der Rechtssache C-386/23, Novel Nutriology GmbH gegen Verband Sozialer Wettbewerb e.V. — gesundheitsbezogene Angaben zu pflanzlichen Stoffen („on hold") in der Werbung für Nahrungsergänzungsmittel. curia.europa.eu
  9. European Medicines Agency, Committee on Herbal Medicinal Products (HMPC), European Union herbal monograph on Ginkgo biloba L., folium, EMA/HMPC/321097/2012 — Abschnitt zu Wechselwirkungen (Gerinnungshemmer und Thrombozytenaggregationshemmer); betrifft pflanzliche Arzneimittel, nicht Nahrungsergänzungsmittel; Grundlage unseres redaktionellen Hinweises.

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